Toshiba weist darauf hin, dass sich der weltweite Speicherbedarf laut IDC bis 2029 auf fast 20.000 Exabyte verdoppeln wird. Dieses Wachstum wird maßgeblich durch KI-bezogene Workloads getrieben, die enorme Datenmengen generieren, welche aus regulatorischen und geschäftlichen Gründen langfristig gespeichert, analysiert und archiviert werden müssen. In diesem Szenario bleiben HDDs die kostengünstigste Option pro Terabyte für Online-Speicherung, Backups und Massenarchivierung. Die Videoüberwachung ist einer der Bereiche, in denen sich der Speicherbedarf am schnellsten verändert. Der Aufstieg KI-basierter Videoanalysen in Verbindung mit kontinuierlicher hochauflösender Aufzeichnung erfordert Lösungen, die hohe Kapazität, dauerhafte Leistung und maximale Zuverlässigkeit im 24/7-Betrieb gewährleisten. Um diesen Anforderungen gerecht zu werden, hat Toshiba kürzlich die S300 AI-Festplatten speziell für intelligente Videoüberwachungssysteme auf den Markt gebracht.
HDD und SSD, komplementäre Technologien
Toshiba betont, dass HDDs und SSDs in Rechenzentren keineswegs sich gegenseitig ausschließende Technologien darstellen, sondern unterschiedliche Funktionen erfüllen. Während SSDs für rechenintensive Aufgaben hohe Geschwindigkeit und geringe Latenz bieten, ermöglichen HDDs die nachhaltige und kostengünstige Speicherung großer Datenmengen. In KI-Anwendungen beispielsweise sind SSDs für Training und Analyse unerlässlich, HDDs hingegen für die Speicherung historischer Daten und großer Datensätze. In diesem Zusammenhang hat der Mangel an Nearline-Festplatten laut TrendForce zu Lieferzeiten von Wochen bis zu einem Jahr geführt. Und obwohl einige Anbieter den Einsatz von SSDs, insbesondere QLC-SSDs, für die Langzeitarchivierung erwägen, bleiben HDDs unverzichtbar.
Technologische Innovation und die Entwicklung der Festplatte
Neben kontinuierlicher Innovation betont Toshiba, dass die Standardisierung des 3,5-Zoll-SAS/SATA-HDD-Formats weiterhin ein Schlüsselfaktor für die Branche ist, da sie bestehende Investitionen schützt und die Integration in bereits bestehende Infrastrukturen erleichtert. Gartner prognostiziert, dass HDDs bis 2026 68 % der gesamten ausgelieferten Speicherkapazität ausmachen werden, vorwiegend hochkapazitive 3,5-Zoll-Nearline-Festplatten, die speziell auf die Anforderungen von Rechenzentren und der Cloud zugeschnitten sind. Toshiba hebt als Innovationen die Einführung von Multi-Aktuator-Laufwerken, NVMe- und Ethernet-Schnittstellen für HDDs sowie Single-Stage Magnetic Recording (SMR) hervor, obwohl diese Technologien noch nicht weit verbreitet sind. Das Unternehmen investiert weiterhin in Forschung und Entwicklung, um Laufwerke mit höherer Kapazität, Energieeffizienz und Zuverlässigkeit anzubieten. Ein wichtiger Meilenstein ist die erfolgreiche Validierung der 12-Disk-Stacking-Technologie. Diese kombiniert mikrowellenunterstützte magnetische Aufzeichnung (MAMR) und ermöglicht bis 2027 40-TB-Festplatten im 3,5-Zoll-Format. Die Innovationen basieren auf Glasscheiben und Heliumfüllung, was die mechanische Stabilität verbessert und den Stromverbrauch senkt. Um noch höhere Speicherkapazitäten zu erreichen, erforscht Toshiba zudem die Integration der nächsten Generation von 12-Disk-Stacking mit wärmeunterstützter magnetischer Aufzeichnung (HAMR).
Nachhaltigkeit und Energieeffizienz haben Prioritäten
Nachhaltigkeit wird in den kommenden Jahren ein zentrales Thema der Speicherentwicklung sein. Mit der wachsenden Anzahl von Rechenzentren steigt auch der Bedarf, deren Umweltbelastung zu reduzieren. In diesem Zusammenhang ermöglichen Festplatten mit hoher Kapazität einen geringeren Energieverbrauch pro gespeichertem Terabyte – eine für Betreiber zunehmend relevante Kennzahl. Toshiba gibt an, dass aktuelle Festplattenmodelle unabhängig von ihrer Kapazität zwischen 9 und 10 Watt verbrauchen. Mit steigender Kapazität sinkt der Verbrauch pro Terabyte von 1 W/TB bei 10-TB-Festplatten auf unter 0,4 W/TB bei 24-TB-Festplatten, und zukünftige Generationen werden dieses Verhältnis voraussichtlich noch weiter reduzieren. Um dies zu erreichen, verwendet Toshiba heliumgefüllte Festplatten, wodurch Reibung und Energieverbrauch verringert werden.
Toshiba HDD Innovationslabor
Die Notwendigkeit der Nachhaltigkeit, gepaart mit immer komplexeren Architekturen und steigender Nachfrage, macht fachkundige Beratung unerlässlich. Bis 2026 wird das HDD Innovation Lab von Toshiba in Düsseldorf, das Benchmarking- und Energieanalysen zur Optimierung von Konfigurationen für maximale Leistung und Effizienz anbietet, eine zentrale Anlaufstelle für Kunden und Partner des Unternehmens sein. Rainer W. Kaese, Senior Director of HDD Business Development bei Toshiba Electronics Europe, erklärt: „Die Bewertung und Optimierung von HDD-Konfigurationen für SAN-, NAS- und Videoüberwachungsanwendungen ist für Unternehmen entscheidend, um Leistung, Energieverbrauch und Zuverlässigkeit zu maximieren.“ Kaese fügt hinzu: „Das HDD Innovation Lab ermöglicht es Kunden, fundierte Entscheidungen zu treffen und auf ihre Bedürfnisse zugeschnittene Speicherlösungen zu implementieren. Angesichts des erwarteten Anstiegs im Rechenzentrumsbau und der zunehmenden Komplexität von Speicherumgebungen ist eine Erweiterung der Rechenzentren sehr wahrscheinlich.“
