Analysys Mason veröffentlichte kürzlich einen Bericht über Kombi-Dienste in Europa: Prognosen und Analysen 2012–2017. Dieser beleuchtet die zukünftigen Unterschiede zwischen europäischen Telekommunikationsanbietern mit Kombi-Angeboten und liefert detaillierte Prognosen für Festnetz- und Breitband-basierte Servicepakete in neun europäischen Ländern. Der
französische Anbieter Iliad liefert hierfür ein Beispiel: Bereits im ersten Jahr konnte er mehrere Millionen Festnetz-Mobilfunk-Kombikunden gewinnen.
Die Kombination eines Flaggschiffprodukts oder -dienstes mit einem größeren Paket kann Kunden mit einem Komplettpaket anlocken. Anbieter haben mit diesem Ansatz Erfolge erzielt, indem sie nicht nur Mehrwertdienste wie Musikabonnements, sondern auch grundlegende Telekommunikationsdienste wie Mobilfunk bündelten, wie Iliad 2012 demonstrierte.
Iliad führte im Januar 2012 unter der Marke Free Mobile innovative Mobilfunktarife ein: einen „unbegrenzten“ Tarif (mit einem monatlichen Datenlimit von 3 GB) für 19,99 € pro Monat und einen Basistarif (60 Minuten und 60 SMS pro Monat) für 2 € pro Monat. Der Start war ein voller Erfolg: Im ersten Jahr abonnierten mehrere Millionen Nutzer den Dienst – ein entscheidender Schub im Wettlauf um Marktanteile vor dem 4G-Ausbau. Infolgedessen verzeichnete Iliads neu gegründete Mobilfunksparte bisher ein negatives EBITDA. Die EBITDA-Verluste fielen in diesem Zeitraum jedoch deutlich geringer aus als von Finanzanalysten erwartet.
Die Einführung der Basistarife für Festnetz-Mobilfunk war hingegen sehr positiv. Iliad bot seinen Festnetzkunden beide Tarife zu vergünstigten Preisen und für 15,99 € pro Monat an und schuf damit ein umfassendes Servicepaket. In den ersten sechs Monaten des Jahres 2012 konnte der Anbieter 300.000 neue Festnetz-Breitbandkunden gewinnen – die Hälfte aller Nettozuwächse auf dem französischen Festnetz-Breitbandmarkt in diesem Zeitraum und fast das Dreifache des Nettozuwachses im vorherigen Halbjahr. Auch
andere europäische Länder werden mit Festnetz-Mobilfunk-Kombipaketen mehrere Millionen Kunden gewinnen, doch nirgendwo ist die Entwicklung mit der in Frankreich vergleichbar.
Keines der größeren europäischen Länder wird die in Frankreich erzielte Verbreitung von Festnetz-Mobilfunk-Kombipaketen erreichen. Analysys Mason schätzt, dass Ende 2012 in Frankreich 42 % der Haushalte mit Festnetz-Breitbandanschluss einen Mobilfunkvertrag mit ihrem Festnetz-Breitbandanschluss kombinierten. Bis Ende 2017 wird dieser Anteil auf 75 % steigen.

Der besonders hohe Anteil kombinierter Festnetz- und Mobilfunkdienste in Frankreich ist auf folgende Faktoren zurückzuführen:
• Hohe Mobilfunkpreise und geringe Mobilfunkdurchdringung vor Einführung aggressiver Preisstrategien
; • Ein Anbieter (Iliad/Free Mobile) nutzte ein Geschäftsmodell, um mit einer aggressiven Preisstrategie die Rentabilität der Branche zu senken
; • Mehrere große Anbieter mit relativ hohen Gewinnmargen konnten frühzeitig auf den neuen Marktteilnehmer reagieren (Bouygues, Orange und SFR hatten bereits vor Free Mobile Festnetz- und Mobilfunk-Kombiverträge eingeführt).

Auch in Spanien haben hohe Marktpreise die Verbreitung kombinierter Festnetz- und Mobilfunkdienste vorangetrieben. Telefónica verzeichnete zwischen Oktober und Dezember 2012 eine Million Kunden für das Movistar Fusión-Paket (Festnetz-Mobilfunk-Kombi). Damit hatten Ende 2012 rund 21 % der spanischen Festnetz-Breitbandhaushalte ihren Mobilfunkdienst mit dem Festnetz-Breitbandanschluss kombiniert. Bis 2017 wird ein Anstieg auf 42 % erwartet.
In anderen großen europäischen Ländern verläuft die Entwicklung der Festnetz-Mobilfunk-Kombi nicht so rasant: In Tschechien und Rumänien werden bis 2017 voraussichtlich rund 20 % der Festnetz-Breitbandhaushalte ihre Mobilfunkdienste bündeln. In diesen Ländern bietet der größte Festnetz-Breitbandanbieter bereits Festnetz-Mobilfunk-Kombidienste an, und mindestens ein weiterer Anbieter hat attraktive Kombiangebote eingeführt.
Wir gehen davon aus, dass in Deutschland, Polen und Großbritannien bis Ende 2017 rund 10 % der Haushalte mit Festnetz-Breitbandanschluss über kombinierte Festnetz- und Mobilfunkdienste verfügen werden. In diesen Ländern wird vor allem ein einziger Anbieter die Entwicklung kombinierter Festnetz- und Mobilfunkdienste vorantreiben (obwohl auch andere Anbieter Dienste mit begrenzter Wirkung eingeführt haben).

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