Aber benötigen wir wirklich leistungsfähigere Leitungen für Endkunden? Aktuelle Marktforschung, Expertenmeinungen aus der Kommunikationsbranche und erste Erfahrungen mit Next Generation Access (NGA)-Projekten liefern die Antwort: Schnelle Verbindungstechnologien und Zugangsnetze sind unerlässlich für die effiziente Nutzung der zukünftig wachsenden Anzahl bandbreitenintensiver, datengetriebener Anwendungen.  
Einige Dienste stoßen mit den neuesten DSL-Versionen bereits an ihre Leistungsgrenzen. Vor diesem Hintergrund müssen Netzbetreiber und Provider über kupferbasierte Anschlussleitungen hinausblicken und ihre Zugangsnetze auf die Bandbreitenanforderungen und neuen Marktszenarien einer IP-basierten Welt vorbereiten. 
Internationale Expertenorganisationen und Institutionen sind sich weitgehend einig, dass die Zukunft den Glasfaser-Zugangsnetzen (FTTx) gehört. So kam beispielsweise die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in ihrem Vergleich verschiedener Zugangstechnologien zu dem Schluss, dass FTTh-Netze die beste Leistung pro Endnutzer hinsichtlich Bandbreite und Nachhaltigkeit bieten und sich daher voraussichtlich in Zukunft unter allen betrachteten Alternativen durchsetzen werden [OECD-Bericht 2008b – April 2008].


Strategie und Effizienz:
Diese Technologie ist wirtschaftlich weniger vorteilhaft. Relativ hohe Investitionskosten werden als Nachteil genannt, ebenso wie andere kritische Faktoren wie Betreibermodelle und Rentabilität, separate Abrechnung und ungeklärte regulatorische Fragen.
Angesichts des heutigen harten Wettbewerbsumfelds erscheint eine abwartende Haltung jedoch unklug. Stattdessen sollten Netzbetreiber eine mittelfristige Strategie mit Fokus auf FTTx entwickeln. Nur wenige Betreiber oder alternative Anbieter sind technologisch und wirtschaftlich in der Lage, ihre Zugangsnetze in einem Schritt auf Glasfasertechnologie umzustellen. In den meisten Fällen lässt sich FTTx nur über Zwischenlösungen und Migrationsphasen realisieren, was die Anforderungen an Planer und Elektriker erhöht.
Passive Infrastrukturlösungen, die sowohl bestehende Netze als auch Glasfasertechnologie unterstützen, gewinnen daher zunehmend an Bedeutung. Sie bieten die notwendige Flexibilität und Investitionssicherheit. FTTx ist die in der Branche gebräuchliche Abkürzung für verschiedene Versionen von Glasfaser-Zugangsnetzen. Der Endpunkt des Glasfaserkabels bestimmt die Bedeutung des „x“: FTTC (Fiber to the Curb, z. B. bis zum nächsten externen Verteiler), FTTB (Fiber to the Building) und FTTH (Fiber to the Subscriber).
Obwohl diese Abkürzungen weit verbreitet sind, ist es wichtig, ihre Bedeutung und die damit verbundenen unterschiedlichen Strategien zu kennen. Andernfalls entsteht leicht ein verzerrtes Bild der Topologie, der Verteilung zum Endnutzer und des Kosten-Nutzen-Verhältnisses. Vorsicht ist geboten, wenn in Veröffentlichungen Konzepte wie Glasfasernetze oder Bandbreite ohne konkrete Angaben zur Zugangstechnologie behandelt werden.


Die VDSL2-Pakete der Deutschen Telekom und Swisscom sind prominente Beispiele für FTTC (Future Generation Access). Die teilweise Ersetzung von Kupferleitungen durch Glasfaser in Kombination mit modernster DSL-Technologie ist eine naheliegende Wachstumsstrategie für etablierte und marktführende Betreiber in den jeweiligen Ländern, beispielsweise für solche mit einem nahezu perfekten Telefonnetz (das organisch über die Jahre gewachsen ist). VDSL2 ist lediglich ein technologischer Zwischenschritt auf dem Weg zu Breitband mit Glasfasernetzen der nächsten Generation. FTTx bietet Kunden je nach gewählter Erweiterungsvariante Übertragungsgeschwindigkeiten von 100 Mbit/s (oder sogar Gigabit-Geschwindigkeiten für Geschäftskunden). Diese Geschwindigkeiten decken den absehbaren Bandbreitenbedarf mittelfristig ab, selbst bei intensiver Nutzung von IPTV und HDTV. Mehrere städtische Netzbetreiber entwickeln derzeit solche Lösungen oder haben sie an einigen Standorten bereits im Einsatz.
Geschwindigkeiten von 100 Mbit/s sind bereits erreichbar, wenn die Glasfaser nur bis zum Gebäude reicht (FTTB) und der Datenverkehr von dort über die bestehende Gebäudeverkabelung geleitet wird, beispielsweise vom LAN zum Arbeitsplatz oder nach Hause. FTTB senkt die Investitionskosten im Vergleich zu einer FTTH-Erweiterung um etwa 20 Prozent. Darüber hinaus lässt sich ein FTTB-Netzwerk in einer späteren Ausbauphase relativ einfach zu einem FTTH-Netzwerk migrieren.

Qualität und Verfügbarkeit:
Die hohen Erwartungen an NGA-Netze wirken sich auch auf die passive Netzwerkinfrastruktur aus. Enorme Datenmengen müssen schnell und zuverlässig übertragen werden. Die Eigenschaften durchschnittlicher Verbindungs- und Verteilsysteme reichen nicht mehr aus, um den Bandbreitenbedarf zu decken. Noch höhere Qualität und Verfügbarkeit sind erforderlich als bisher. Es geht darum, vereinbarte Service-Levels einzuhalten, Kundenzufriedenheit zu gewährleisten und Einnahmen zu sichern. Bei der Entwicklung dieser Netze muss die Interaktion zwischen aktiven und passiven Schichten künftig noch genauer untersucht werden. Nur vollständig entwickelte, umfassende Lösungen für PON- und P2P-Zugangsnetze können dies erreichen.

Ein Markt im Wandel:
Glasfaseranschlüsse spielen in den meisten europäischen Ländern im Vergleich zu anderen Wirtschaftsregionen (noch) eine untergeordnete Rolle. Japan ist mit über 10 Millionen FTTH-Anschlüssen weltweit führend. Monatlich entscheiden sich fast 300.000 Neukunden für FTTH, und weitere 60.000 wechseln von ADSL zu FTTH. In Südkorea machen FTTB/LAN-Anschlüsse mehr als 35 Prozent aller Anschlüsse aus, in Hongkong sind es rund 28 Prozent.
Mit 3 Millionen angeschlossenen Haushalten und Wachstumsraten von über 100 Prozent liegen die USA im globalen FTTH-Ranking ebenfalls vor Europa. In einem Interview mit Portel.de erklärt Professor (FH) Hartwig Tauber, Generaldirektor des Europarats für FTTH, dass sich die Situation auch in Europa allmählich verbessert.
„In der Anfangsphase des Glasfaserausbaus im Jahr 2004 verlief dieser in Europa schleppend“, sagt er, „und wir prognostizierten bis 2010 etwa 3 Millionen FTTH-Anschlüsse. Tatsächlich haben wir aber aktuell rund 1,8 Millionen Anschlüsse in Europa, und wir erwarten, dass diese Zahl bis 2010 auf 5,5 Millionen und bis 2012 auf etwa 15 Millionen steigen wird.“
Was die Servicequalität betrifft, beispielsweise die Anzahl der Anschlüsse pro 100 Haushalte, werden Schweden und Dänemark 2012 mit 36,9 bzw. 29,2 Prozent die Liste der zehn europäischen Länder mit der höchsten FTTH-Verbreitung anführen.
Laut den Erkenntnissen des FTTH Council steigen die Breitbandgeschwindigkeiten in Europa jährlich um mehr als 50 Prozent. Die Breitbandnutzung wächst um rund 20 Prozent pro Jahr, und Haushalte mit einem FTTH-Breitbandanschluss generieren dreimal so viel Datenverkehr wie Haushalte mit ADSL.
Dies liefert überzeugende Belege für die These, dass Endnutzer höhere Bandbreitenzugänge nahezu sofort nach deren Verfügbarkeit nutzen (angesichts der attraktiven Preisstruktur). Professor Tauber weist mit Blick auf die wirtschaftliche Bedeutung des Glasfaserausbaus darauf hin, dass Griechenland, Portugal und Finnland dem Beispiel Schwedens, Norwegens, Dänemarks und der Niederlande gefolgt sind und eigenständig umfangreiche FTTH-Programme starten. Teilweise handelt es sich dabei sogar um staatliche Programme, die der breiten Bevölkerung echten Breitbandzugang ermöglichen sollen.
Auch in Frankreich und Slowenien schreitet der FTTH-Ausbau stetig voran; dort haben die nationalen Telekommunikationsunternehmen mit dem landesweiten Netzausbau begonnen. Professor Tauber kommentiert: „Da immer mehr Unternehmen ihre Standorte anhand der verfügbaren IKT-Infrastruktur auswählen, könnte ein Mangel an FTTH-Diensten in einem Land oder einer Region bald zu einem erheblichen wirtschaftlichen Nachteil werden.“

Harmonisierung in Europa:
Neben der Finanzierung stellt die mangelnde Regulierung in diesem Bereich in der Europäischen Union das größte Hindernis für den Ausbau von Glasfasernetzen dar. Im September 2008 startete die Europäische Kommission eine öffentliche Konsultation zu den regulatorischen Grundsätzen, die die EU-Mitgliedstaaten auf die FGA-Netze (Future Generation Access) anwenden sollen. Europa strebt eine Harmonisierung bestimmter Kategorien an, insbesondere regulierter Dienste, Zugangsbedingungen, Gebühren und Risikokennzahlen. Ziel ist es, eine einheitliche Behandlung von Netzbetreibern in der gesamten Europäischen Union zu gewährleisten und damit die für Investitionen so wichtige Rechtssicherheit zu schaffen. Es wird allgemein erwartet, dass die Empfehlung der Europäischen Union die künftige Zusammenarbeit zwischen Telekommunikationsunternehmen und alternativen Netzbetreibern fördern und den offenen Zugang erleichtern wird.

Herausforderungen meistern:
Für die Bereitstellung und Erweiterung von FTTx-Netzen gibt es eine Vielzahl von Topologien und Ansätzen, darunter auch Hybridlösungen. Allein diese Tatsache verdeutlicht, wie vielfältig FTTx die Arbeit von Netzplanern erleichtert. In vielen Glasfaserprojekten haben Netzbetreiber Hersteller hochwertiger und zuverlässiger Lösungen wie R&M als Verkabelungspartner für passive Infrastrukturen gewählt. Sie profitieren von R&Ms Kompetenz in der Entwicklung kundenspezifischer Lösungen und der langjährigen internationalen Erfahrung.
Die Planung und der Aufbau von FTTx-Zugangsnetzen sind komplexe Unternehmungen. Jedes Netz ist anders. Jeder Betreiber verfolgt seine eigene Strategie, jede Stadt hat ihre spezifischen lokalen Gegebenheiten. Doch in allen Projekten hat die Minimierung von Personalkosten und Installationszeit höchste Priorität. Die Lösung: Die Herausforderungen von FTTx lassen sich durch ein vollständig modulares Verkabelungssystem in Kombination mit technischem Support und kundenspezifischen Lösungen bewältigen.

 

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Autor: David López, Carrier Director für R&M Spanien und Portugal