Die Geschichte zeigt, dass proprietäre, herstellerspezifische Datenprotokolle besonders anfällig für Cyberangriffe sind, da im Gegensatz zu standardisierten Protokollen nur eine relativ kleine Gruppe an ihnen arbeitet. Um die Sicherheit vor zukünftigen Netzwerkangriffen zu erhöhen, sollten Kommunikationsprotokolle, die als Standards klassifiziert und beispielsweise als RFCs (Request for Comments) frei verfügbar sind, von Anfang an in Produkte implementiert werden. Denn diese Protokolle wurden von zahlreichen Experten gründlich geprüft, und die Sicherheit wurde von Beginn ihrer Entwicklung an berücksichtigt. Daher bieten sie ein Höchstmaß an Sicherheit und sind nicht nur für Produkte, sondern letztlich auch für Unternehmen und deren Prozesse von Vorteil.
Darüber hinaus müssen Unternehmen in Bezug auf Cybersicherheitsprobleme transparent sein. In solchen Fällen ist Diskretion zunächst unerlässlich. Schließlich sollen sich Marktpartner, insbesondere Kunden, nicht hintergangen fühlen. Gleichzeitig sollte diese Phase der Diskretion jedoch auch genutzt werden, um potenzielle Patches zur Behebung von Sicherheitslücken zu entwickeln. Die externe Kommunikation mit allen Beteiligten muss vorbereitet und koordiniert werden. Schließlich muss die Sicherheitslücke gemeldet, koordiniert und mit entsprechenden Sicherheitspatches versehen werden.
Ausweichende Strategien führen zu nichts
Dieser Ansatz bereitet vielen Unternehmen, insbesondere im Industriesektor, Schwierigkeiten. Dies liegt daran, dass Cybersicherheit erst in jüngster Zeit an Bedeutung gewonnen hat, was zu mangelnden oder gar unzureichenden Kapazitäten im Umgang mit Cybersicherheitsproblemen führt. Unternehmen ignorieren das Thema oft, in der Annahme, es würde nur zu weiteren Problemen führen. Diese Haltung kann sich jedoch rächen, wenn externe Experten die Schwachstelle – ob zufällig oder absichtlich – entdecken und öffentlich machen. Die Probleme werden dann öffentlich bekannt und schädigen das Image des Unternehmens erheblich.
Umgekehrt können Unternehmen, die proaktiv auf Schwachstellen reagieren, an Glaubwürdigkeit gewinnen. Angesichts der Komplexität vieler Produkte ist klar, dass Probleme trotz umfassender Tests vor der Veröffentlichung nicht vollständig ausgeschlossen werden können.
Es ist weitaus wichtiger, diese Probleme schnell anzugehen und dabei den Kunden im Blick zu behalten; mit anderen Worten, es ist wichtiger zu zeigen, dass das Unternehmen kompetent ist und die Situation im Griff hat.
Die Tür zur digitalen Scheune schließen
: Was kann man noch für die Cybersicherheit tun? Gerade für mittelständische Unternehmen stellt diese Frage eine große Herausforderung dar. Schließlich kosten die notwendigen Schritte und der Aufbau der erforderlichen Kompetenzen Geld. Es ist jedoch nicht notwendig, von Anfang an eine Komplettlösung für vollständigen Schutz vor allen möglichen Netzwerkangriffen zu implementieren. Cybersicherheit ist vielmehr ein fortlaufender Prozess. Zunächst müssen potenzielle Bedrohungen identifiziert werden. In Deutschland beispielsweise lassen viele mittelständische Unternehmen (manche der Besten in ihren jeweiligen Branchen) ihre Türen weit offen, wie eine große digitale Scheune, wenn es um den Schutz ihres technologischen Know-hows geht. Sobald die gravierendsten Schwachstellen identifiziert sind, sollten erste Schritte zur Implementierung von Cybersicherheit unternommen werden. Darüber hinaus sollte ein kontinuierlicher Verbesserungsprozess, ähnlich dem Qualitätsmanagement, eingeführt werden, bei dem das Sicherheitsniveau schrittweise erhöht wird.
Hilfreich wäre außerdem die Schaffung einer Plattform, auf der sich Regierung und Wirtschaft gemeinsam über Cybersicherheit austauschen können. Dieser Ansatz funktioniert jedoch nur, wenn alle Beteiligten aktiv mitwirken. Die Erfahrung zeigt, dass andernfalls parallele Plattformen entstehen können, was zu Rivalitäten führt, die niemandem nützen. Zweitens muss eine klare Aufgabenteilung zwischen Regierung und Wirtschaft bestehen. Ein Beispiel hierfür ist das Nationale Institut für Standards und Technologie (NIST), das dem US-Handelsministerium untersteht. Das NIST veröffentlicht die Entwicklung neuer kryptografischer Algorithmen, die anschließend von der Wirtschaft weiterentwickelt werden. Anders ausgedrückt: Diese Regierungsbehörde bietet Unternehmen gezielte Anreize, innovative Lösungen zu finden und so ihre Cybersicherheitskompetenz automatisch auszubauen. Deutschland sollte diesen Ansatz übernehmen, um sich wirksam vor Cyberbedrohungen zu schützen.
Fazit:
Aufgrund der zunehmenden Vernetzung von Prozessen wird Cybersicherheit zu einem entscheidenden Faktor für wirtschaftlichen Erfolg. Unternehmen müssen daher rechtzeitig handeln, indem sie sichere Produkte entwickeln, Probleme offen kommunizieren und Cybersicherheit fest in eine Unternehmenskultur integrieren, die auf kontinuierliche Verbesserung abzielt. Darüber hinaus tragen Regierung und Wirtschaft die Verantwortung, standardisierte Lösungen bereitzustellen, denn nur so können alle Marktteilnehmer gleichermaßen profitieren.
