Der Vorschlag folgt hundert Tage nach dem Gipfeltreffen zur digitalen Souveränität in Berlin, auf dem sich europäische Staats- und Regierungschefs verpflichteten, kritische digitale Abhängigkeiten zu reduzieren und, wo nötig und machbar, souveräne Infrastrukturen aufzubauen.
Suchmaschinen spielen sowohl in demokratischen Gesellschaften als auch in digitalen Wirtschaftssystemen eine zentrale Rolle. Sie bestimmen, wie Bürger auf Informationen zugreifen, wie Unternehmen online gefunden werden und wie Systeme der künstlichen Intelligenz Erkenntnisse aus Suchergebnissen gewinnen.

Aktuell basieren 99,5 % der Suchanfragen in Europa auf Antworten von nur zwei US-amerikanischen (96 %) und einem russischen Unternehmen (3,5 %).
Laut European Search Perspective birgt diese Konzentration systemische Risiken für europäische Länder. Würde der Zugang zur dominanten Suchindexierungsinfrastruktur eingeschränkt – sei es durch Sanktionen, regulatorische Konflikte, Exportkontrollen oder Handelsentscheidungen –, könnten Regierungen wichtige Analysekapazitäten verlieren und Volkswirtschaften innerhalb weniger Tage zusammenbrechen.
Der Großteil des europäischen BIP (rund 18 Billionen Euro) hängt direkt von der Suchindexwirtschaft ab.

Daher schlägt European Search Perspective vor, dass die EU-Mitgliedstaaten eine souveräne Suchinfrastruktur einrichten, die aus Folgendem besteht:
einem nationalen Suchindex unter europäischer Gerichtsbarkeit,
einem nationalen Ranking-Algorithmus und
einer Infrastruktur, die sowohl öffentliche Suchdienste als auch KI-basierte Suchsysteme unterstützt.

„Ohne einen souveränen Suchindex hat Europa nicht die Kontrolle über das Tor zu seiner eigenen digitalen Wirtschaft“, sagt Wolfgang Oels, Direktor von European Search Perspective.
Die Organisation argumentiert, dass die Suchinfrastruktur als strategische öffentliche Infrastruktur behandelt werden sollte, vergleichbar mit Strom- oder Telekommunikationsnetzen.
derzeit European Search Perspective einen souveränen Suchindex für Frankreich und Deutschland und hat angeboten, die Initiative auf weitere EU-Mitgliedstaaten auszuweiten.