Die einzigartigen Eigenschaften von Sub-THz-Frequenzen (90 GHz bis 300 GHz) prädestinieren sie für drahtlose Sensoranwendungen. Diese Anwendungen funktionieren ähnlich wie Radar, jedoch mit deutlich höherer Genauigkeit dank der extrem kurzen Wellenlängen und der großen Bandbreite von Sub-THz-Frequenzen. Nokia Bell Labs, Fraunhofer HHI und die Charité untersuchen gemeinsam, wie Sensornetzwerke mit Sub-THz-Frequenzen hochauflösende räumliche Scans in Krankenhäusern durchführen können, um die Vitalfunktionen von Patienten zu überwachen.
In einem Krankenzimmer könnte das Sensornetzwerk beispielsweise Herzschlag und Atemfrequenz jedes Patienten erfassen und unterscheiden, ohne dass invasive Sensoren wie EKG-Elektroden oder Pulsoximeter zum Einsatz kommen. Dank Beamforming-Technologien könnte das Sensornetzwerk theoretisch einzelne Patienten verfolgen und so deren kontinuierliche Überwachung gewährleisten, beispielsweise beim Toilettengang oder bei Bewegungen im Krankenhaus.
Diese Sub-THz-Sensornetzwerke könnten dem Gesundheitswesen zahlreiche Vorteile bieten. Da sie keinen physischen Kontakt zum Körper benötigen, werden Fehlalarme durch versehentlich entfernte tragbare Monitore vermieden. Patienten genießen dadurch deutlich mehr Bewegungsfreiheit, und Krankenhäuser können die kontinuierliche Herz- und Atemüberwachung auf einen wesentlich größeren Teil ihrer Patienten ausweiten. Die Technologie könnte auch neue Anwendungen für die häusliche Pflege ermöglichen. So könnten beispielsweise intelligente Haussysteme die Vitalfunktionen der Patienten überwachen und Ärzte bei Veränderungen alarmieren.
Die Kooperation vereint drei führende Organisationen in Medizintechnik und Forschung. Das Fraunhofer HHI, ein Innovationsführer in Kommunikation und Multimedia, steuert seine Expertise im Bereich Sensortechnologien bei. Die Charité, Europas größtes akademisches Forschungskrankenhaus, validiert und evaluiert die Sensortechnologie. Nokia Bell Labs, eines der weltweit führenden Institute für angewandte Forschung, bringt seine Expertise in Funktechnik und Sensorik ein.
Nokia Bell Labs erforscht vielfältige Möglichkeiten, das Funkspektrum für die Entwicklung neuer Sensortechnologien zu nutzen. Ein Schlüsselelement zukünftiger 6G-Netze ist beispielsweise die gemeinsame Kommunikation und Sensorik (JCAS), die es Netzen ermöglicht, ihre Umgebung zu erfassen. Durch die Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer HHI und der Charité an Lösungen für die Sensorik im Gesundheitswesen demonstriert Nokia seine technologische Führungsrolle über den Kommunikationssektor hinaus.
