Daher muss die Netzinfrastruktur an diese steigenden Anforderungen angepasst werden. Im externen Netzbereich bedeutet dies den Ersatz von Kupferleitungen durch Glasfaser. Da Glasfaser in vielen Städten bereits sehr nah am Endkunden verfügbar ist, können Gebäude direkt über FTTH (Fiber to the Home) oder FTTB (Fiber to the Building) angeschlossen werden.
Wohn- und Gewerbegebäude (Mehrfamilienhäuser) spielen dabei eine Schlüsselrolle. Aufgrund der hohen Endkundendichte ist der Investitionsaufwand pro Kunde für Telekommunikationsunternehmen wirtschaftlich. Der Netzanschluss von Mehrfamilienhäusern erfordert jedoch ein genaues Verständnis der lokalen Gegebenheiten. In den verschiedenen EU-Ländern existiert eine Vielzahl unterschiedlicher, im Laufe der Zeit entwickelter Kommunikationsinfrastrukturen. Zudem müssen zahlreiche Vorschriften und Auflagen erfüllt werden.
Die Verbindungsstrategien unterscheiden sich je nachdem, ob es um die Modernisierung bestehender Infrastruktur oder die Erschließung eines neuen Gebiets geht. Um diesen vielfältigen Verbindungsbedingungen gerecht zu werden, sind neben spezifischen Projekten flexibel anpassbare Lösungen erforderlich.
Während in den USA die Installation von Steckverbindern, insbesondere in Form von Plug-&-Play-Modulen in P2MP-Glasfasernetzen (Punkt-zu-Mehrpunkt), bevorzugt wird, dominieren in Europa bisher P2P-Netze (Punkt-zu-Punkt), oft mit permanenten Spleißverbindungen. Angesichts der Vielzahl an zu berücksichtigenden Einschränkungen ist es müßig zu diskutieren, welche der beiden Alternativen besser ist. Vielmehr sollten sich die beiden Technologien in einer umfassenden Lösung ergänzen, die sich mit maximaler Flexibilität individuell an jedes Projekt anpassen lässt.
Mehrfamilienhäuser sind für Netzbetreiber
, die FTTH (Fiber to the Home) anbieten, unerlässlich. Der europäische FTTH-Markt unterscheidet sich deutlich von dem in den USA. In den USA dominieren typischerweise große, homogene Wohnsiedlungen, Gewerbegebiete und Industriezonen, viele davon Greenfield- oder Brownfield-Projekte – also neu erschlossene oder sanierte Gebiete. Diese meist einheitlich angelegten Gebiete bieten viel Platz und erleichtern die Planung der Anschlussinfrastruktur.
Europa hingegen zeichnet sich durch eine heterogene Infrastruktur aus, die auf historisches Wachstum und unregelmäßige Straßenverläufe zurückzuführen ist. In dicht besiedelten Regionen bestehen die meisten Gebäude aus Mehrfamilienhäusern mit drei bis acht Stockwerken. Neben den Wohnungen beherbergen diese Gebäude oft auch Gewerbeflächen (Mischnutzung). In der Nähe befinden sich außerdem Wohnhäuser, Dienstleistungsunternehmen sowie kleine und mittlere Unternehmen.
Mehrfamilienhäuser sind für FTTH-Strategien von großer Bedeutung. Während in den USA schätzungsweise fast ein Drittel der Endkunden in Mehrfamilienhäusern untergebracht sind, leben und arbeiten in der EU fast 70 Prozent der Bevölkerung in Städten, überwiegend in Mehrfamilienhäusern. Breitbandanbieter können zwar viele Kunden auf kleinem Raum versorgen, Glasfaseranschlüsse erfordern jedoch einen umfassenden Ansatz, der alle möglichen Anschlussbedingungen berücksichtigt.
Zugangsbereich
: Von der Kopfstelle (Vermittlungsstelle) werden Gebäude entweder direkt über P2P-Glasfasernetze oder über P2MP-Glasfaserverteiler mit Splittern im Außenbereich oder im Gebäude angebunden.
Der Glasfaserausbau folgt in der Regel der bestehenden Kupferinfrastruktur. Auf dem Weg zur Wartungseinheit (MDU) besteht jedoch häufig das Problem, dass die vorhandenen Leerrohre bereits stark ausgelastet sind und Wasser- und Gasleitungen meist unter Gehwegen verlaufen. Die Verlegung zusätzlicher Kabel für die FTTH-Infrastruktur ist sehr aufwendig und erfordert oft kostspielige Erdarbeiten. Sind leere Leerrohre vorhanden, kann die Glasfaser über mehrere hundert Meter eingeblasen werden (Einblasverfahren). Eine externe Verkabelung zum Gebäude wird in unseren Ländern in der Regel nicht in Betracht gezogen, obwohl dies in anderen Ländern üblich ist.
Verteilungsplanung:
Die Art und Weise, wie Glasfaserleitungen verlegt, terminiert und installiert werden, beeinflusst direkt die Leistungsfähigkeit, Lebensdauer und Wirtschaftlichkeit eines Netzwerks. Daher ist ein sorgfältiges Kabelmanagement unerlässlich. Davon hängt auch die Flexibilität des Netzwerks ab, sich an zukünftige Anforderungen anzupassen.
Der weitverbreitete Einsatz von Steckverbindern und Plug-&-Play-Lösungen ermöglicht einen flexiblen Netzwerkaufbau und -ausbau und erleichtert den Zugang für Testzwecke. Dies ermöglicht es den Netzwerkteilnehmern in einem bestimmten Gebiet, sich schrittweise anzuschließen.
In vielen Fällen sind permanente Verbindungen mittels Spleißen unvermeidbar. Dies ist beispielsweise der Fall, wenn Platzmangel den Einsatz von Verteilerkästen mit zusätzlichen Leitungswegen verhindert oder wenn das verfügbare Budget für Dämpfungsglieder strenge Kosteneinsparungen erfordert.
Verschiedene Gebäudetypen
: Typische Mehrfamilienhäuser bestehen aus drei bis acht Etagen mit jeweils zwei bis vier Wohneinheiten. Das Erdgeschoss wird häufig gewerblich genutzt, beispielsweise von Geschäften, Restaurants oder Banken. Die Einheiten in den oberen Etagen werden zu Wohn- oder Gewerbezwecken genutzt, etwa von Arztpraxen, Büros oder Anwaltskanzleien.
Diese Mehrfamilienhäuser stellen eine erhebliche Herausforderung für die Glasfaserverkabelung dar und erfordern eine individuelle Planung, um eine effiziente und zuverlässige Skalierung des FTTH-Netzes auf jeder Etage zu gewährleisten. Es ist außerdem wichtig zu klären, ob die einzelnen Wohneinheiten Eigentum oder Mietobjekte sind. Bei diesen Gebäudetypen kann es für Netzbetreiber besonders vorteilhaft sein, von FTTB auf FTTH aufzurüsten und jede Wohneinheit direkt mit Glasfaserkabel zu versorgen. Wird FTTB beibehalten – d. h., wird das Glasfaserkabel nur bis zum Gebäude verlegt –, muss der Betreiber die bestehende Infrastruktur des Gebäudes, in der Regel Kupfer, idealerweise unterbrechungsfrei anschließen. Dieser Anschluss ist technisch komplex und mit zahlreichen rechtlichen Aspekten verbunden. Die direkte Glasfaserversorgung jeder Wohneinheit hängt von der verfügbaren Infrastruktur für die Kabelverlegung sowie von den Eigentumsverhältnissen ab. In diesen Fällen können komplexe Verhandlungen erforderlich sein.
Einige dieser Gebäude verfügen über vertikale und horizontale Kabelkanäle, in denen bereits Koaxialkabel für Kabelfernsehnetze oder andere Versorgungsleitungen verlegt sind. Glasfaserkabel können ebenfalls durch diese Kanäle geführt werden; aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften können sie parallel zu Stromkabeln verlegt werden. Sind keine dedizierten Glasfaserkanäle vorhanden oder ungeeignet, stehen Netzwerkplaner vor einer großen Herausforderung: Die Verkabelung der verschiedenen Etagen muss kostengünstig und optisch ansprechend erfolgen. Oft werden auch stillgelegte Schornsteine genutzt. Je nach Zustand des Gebäudes, insbesondere in kürzlich sanierten Gebäuden, kann die nachträgliche Verlegung von Glasfaserkabeln über einen längeren Zeitraum nicht möglich sein. Netzbetreiber sollten daher möglichst frühzeitig mit den Eigentümern von Mehrfamilienhäusern die geeigneten Optionen und Maßnahmen besprechen.
Auch Wohnanlagen zählen zu den typischen Mehrfamilienhäusern. Sie haben in der Regel zwei bis vier Stockwerke und mehrere Wohnungen pro Etage. In älteren Gebäuden wurde die zukünftige Installation von Glasfaserkabeln oft nicht eingeplant, was zu einem Mangel an der notwendigen Infrastruktur führt. Dies stellt, wie bereits erwähnt, eine große Herausforderung für Netzwerkplaner dar. Aufgrund der unregelmäßigen Bebauung gestaltet sich die Verbindung der einzelnen Gebäude oft schwierig. Auch im Außenbereich sind häufig Erdarbeiten erforderlich. Diese Arbeiten sind komplex und kostspielig.
Anschluss von Mehrfamilienhäusern an Glasfasernetze:
Zu den größten Herausforderungen beim Anschluss von Gebäuden zählen die Projektplanung und die Logistik. Eine gute Projektplanung trägt dazu bei, den logistischen Aufwand und die Ausführungszeit zu minimieren und somit die Kosten zu senken. Bei der Planung eines Mehrfamilienhausanschlusses sollten Sie stets die folgenden Fragen berücksichtigen:
1. Art und Alter: Handelt es sich um ein nationales Denkmal? Falls ja, gelten höchstwahrscheinlich besondere Bestimmungen.
2. Zustand des Gebäudes: Wurde es kürzlich renoviert oder ist die Renovierung noch im Gange?
3. Nutzung: Handelt es sich um einen Wohnkomplex, ein Büro-/Gewerbegebäude oder ein gemischt genutztes Gebäude?
4. Eigentumsverhältnisse: Besteht das Gebäude aus von Eigentümern bewohnten oder vermieteten Einheiten?
5. Zugang: Wo befindet sich der Kabelanschlusspunkt? Sind bereits Leerrohre vorhanden? Ist ein Zugang für Wartungsarbeiten möglich?
6. Infrastruktur: Verfügt das Gebäude ausschließlich über Kupferleitungen? Wie alt sind die im Gebäude installierten Kupferleitungen? Gibt es bereits vorhandene Kabelleerrohre, die wiederverwendet werden können? Wem gehören die Leitungen und Leerrohre?
7. Wettbewerber: Sind andere Dienstleister im Gebäude aktiv? Beispielsweise könnten leere Leerrohre eines Kabelfernsehanbieters potenziell für die Verlegung von Glasfaserkabeln zu den Wohnungen/Büros genutzt werden.
Techniker dürfen das Gebäude nur nach vorheriger Terminvereinbarung betreten. Vor der Installation müssen außerdem der Status des Gebäudes und die Zuständigkeiten innerhalb des Gebäudes geklärt werden. Um die Anzahl der benötigten Genehmigungen zu minimieren, sollten zusätzliche Zugangspunkte vorrangig in Gemeinschaftsbereichen, wie beispielsweise dem Eingang zu einem gemeinsam genutzten Keller, eingerichtet werden. Dies gewährleistet einen einfachen Zugang für zukünftige Arbeiten.
Der FTTH-Anschluss erfolgt typischerweise in zwei Schritten. Zunächst werden die Glasfaserkabel von außerhalb des Gebäudes im Keller terminiert. Dort wird das Übertragungsmedium auf die bestehende Kupferverkabelung umgeschaltet. Kundenanschluss via FTTB/FTTH.
Der direkte Anschluss der Endkunden an das Glasfasernetz (d. h. der eigentliche FTTH-Anschluss) erfolgt oft in einem zweiten, nachfolgenden Schritt. Dies erfordert die Berücksichtigung weiterer Aspekte. Anders als in den USA ist es beispielsweise in Europa nicht üblich, Kabel oder Leitungen oberirdisch oder in Leerrohren an Gebäudewänden zu verlegen. Daher müssen Techniker vertikale Schächte, wie beispielsweise stillgelegte Schornsteine, nutzen, um die Endnutzer auf verschiedenen Etagen zu erreichen. In diesem Fall müssen auch Brandschutz- und Bauvorschriften beachtet werden.
Bei der Gebäudeverkabelung sind die Art und Qualität des Glasfaserkabels entscheidende Faktoren. Glasfasern sind nicht so einfach zu verlegen wie Kupferkabel: Sie reagieren empfindlich auf mechanische Belastungen, was die Signaldämpfung erhöht. Daher können neuere Entwicklungen (wie z. B. robuste Singlemode-Glasfaserkabel mit reduziertem Biegeradius) hier eine Schlüsselrolle spielen.
Konfektionierung oder Spleißen?
Diese Frage lässt sich nicht eindeutig beantworten. Üblicherweise werden beide Verbindungssysteme kombiniert. Aufgrund ihrer Flexibilität werden Steckverbinder häufig in P2P-Netzen sowohl in der Kopfstelle (Vermittlungsstelle/CO) als auch beim Kunden eingesetzt. In P2MP-Netzen dienen Steckverbinder ebenfalls dazu, Dienste im Außenbereich (OSP) schnell und flexibel einzubinden und umzuschalten, beispielsweise in Verteilerrahmen mit Plug-&-Play-Splittern. Das optimale Vorgehen hängt auch davon ab, ob bereits eine Infrastruktur vorhanden ist und wie die Colocation (Zugang zu den Netzen anderer Betreiber) realisiert wird. Um das Netz in einer Vielzahl möglicher Szenarien kosteneffizient auszubauen, empfiehlt sich der Einsatz flexibler und leicht anpassbarer Lösungen. Daher ist eine geeignete Kombination aus vorkonfigurierten Standardkomponenten
und kundenspezifischen Lösungen (Spleißen und
Schnellverbinder) bei Planung und Installation entscheidend.
ADC Krone ist der richtige Partner.
ADC Krone bietet ein umfassendes Produktportfolio für die Glasfasernetzinfrastruktur und deckt damit alle Anforderungen eines FTTH-Netzes ab – von der Kopfstelle und dem Außennetz bis zum Teilnehmeranschluss.
Dank seiner langjährigen globalen Marktpräsenz verfügt ADC Krone über ein tiefes Verständnis der Gegebenheiten in den einzelnen Ländern Europas und der Welt. Durch dieses Wissen und die enge Zusammenarbeit mit seinen Kunden hat ADC Krone strukturierte und flexible Glasfaserlösungen entwickelt, die auf die jeweiligen Marktanforderungen zugeschnitten sind.
Mit seiner Expertise in den verschiedenen länderspezifischen Vorschriften und Genehmigungsverfahren sowie seinem umfassenden Produktportfolio unterstützt ADC Krone seine Kunden dabei, Herausforderungen bereits in der Planungsphase frühzeitig zu erkennen. So können Netzbetreiber ihre Dienste schneller bereitstellen und sich einen Wettbewerbsvorteil sichern.
Autor:
José Luis González, Technischer Direktor von ADC KRONE in Iberia
