Gleichzeitig beschleunigen die digitale Transformation, Cyberbedrohungen und neue technologische Paradigmen wie künstliche Intelligenz (KI) und moderne Kommunikationsstandards wie 5G und FRMCS den Wandel in industriellen Prozessen und der Kommunikation. Prognosen zufolge werden bis 2026 mehr als 60 % aller Unternehmen KI strategisch einsetzen, während die Nachfrage nach sicheren, hochverfügbaren Netzwerken weiter wächst.
Diese Entwicklung erfordert mehr als nur technische Exzellenz. Themen wie Technologie-Souveränität, Resilienz, Sicherheit und Daten-Souveränität rücken zunehmend in den Mittelpunkt unternehmerischer Entscheidungen. In diesem dynamischen Umfeld wird die Fähigkeit, sichere, robuste, vernetzte und anpassungsfähige IT- und OT-Infrastrukturen zu entwickeln, zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil.
Cyber Resilience and Cybersecurity Act: Sicherheit wird zur strategischen Notwendigkeit.
Cybersicherheit entwickelt sich zunehmend von einer isolierten IT-Disziplin zu einem integralen Bestandteil der industriellen Wertschöpfung. Mit Verordnungen wie dem Cyber Resilience Act (CRA), NIS-2 und RED reagiert die EU auf eine Bedrohungslandschaft, die sich in den letzten Jahren deutlich verschärft hat. Angriffe auf industrielle Infrastrukturen, kritische Netzwerke und vernetzte Geräte nehmen nicht nur an Zahl zu, sondern werden durch Automatisierung und KI auch immer raffinierter.
Die wirtschaftlichen Folgen sind beträchtlich: Analysten schätzen den jährlichen wirtschaftlichen Schaden durch Cyberangriffe in Europa mittlerweile auf über 200 Milliarden Euro. Gleichzeitig treiben regulatorische Anforderungen die Nachfrage nach sicheren digitalen Produkten an, die von vornherein auf Compliance und Sicherheit ausgelegt sind.
Die neuen EU-Anforderungen bieten einen klaren Rahmen für die Entwicklung, den Betrieb und die Sicherheit digitaler Produkte über ihren gesamten Lebenszyklus hinweg – vom Schutz der Datenintegrität und verschlüsselten Kommunikation bis hin zu kontinuierlichen Updates und Bedrohungsüberwachung. Kontron unterstützt Hersteller mit einer Reihe von CRA-fähigen Komponenten, darunter KontronOS (ein CRA-konformes, gehärtetes Betriebssystem), KontronGrid (zentrales Compliance-Monitoring), KontronAIShield (KI-basierte Bedrohungserkennung) und geeignete Edge-Hardwareplattformen. Diese Lösungen erfüllen die Anforderungen der kommenden EU-Verordnungen und schaffen gleichzeitig eine robuste Grundlage für vernetzte Systeme – von eingebetteten Geräten bis hin zu Edge-Plattformen.
KI am Netzwerkrand und 5G: Intelligenz dort, wo Daten entstehen.
Mit Blick auf 2026 wird sich die Rolle von KI und 5G weiter von rein Cloud-basierten Ansätzen hin zu intelligenten und sicheren Edge-Architekturen verlagern. Daten entstehen in Maschinen, Fahrzeugen, Produktionsanlagen und kritischer Infrastruktur. Sie müssen dort verarbeitet werden, wo Latenz, Verfügbarkeit und Sicherheit entscheidend sind. Private 5G-Netze entwickeln sich zu Schlüsselfaktoren für industrielle Echtzeitanwendungen und hochverfügbare Kommunikation.
KI-Funktionen werden zunehmend in eingebettete Systeme, Edge-Plattformen und sichere Betriebssysteme integriert. Lösungen wie KI-gestützte Anomalieerkennung, vorausschauende Wartung und autonome Entscheidungsunterstützung bieten nur dann einen Mehrwert, wenn sie stabil, nachvollziehbar und mit Cybersicherheit funktionieren. Technologien, die in einem Bereich funktionieren, lassen sich zunehmend auf andere Sektoren übertragen und beschleunigen so Innovationen und Effizienzsteigerungen.
Ein Beispiel – und ein strategisch wichtiger Markt für Kontron – ist der Schienenverkehr. Das Future Railway Mobile Communication System (FRMCS) schafft eine neue 5G-basierte Kommunikationsinfrastruktur für sicherheitskritische Anwendungen. Es ist ein Paradebeispiel für stark regulierte Umgebungen, lange Lebenszyklen und höchste Anforderungen an Sicherheit und Verfügbarkeit. Umfassende Lösungen, die für den sicheren Übergang von GSM-R zu FRMCS entwickelt wurden, wie MCx, private 5G-Kernnetze und Cloud-native Management-Tools, lassen sich auch auf andere Branchen übertragen und verschaffen Anbietern wie Kontron einen frühen Wettbewerbsvorteil.
Anwendungen im Bereich Verteidigung und Sicherheit: Technologie als Schutzfaktor.
Die geopolitische Lage und die zunehmende Vernetzung kritischer Infrastrukturen führen weltweit, insbesondere in Europa, zu verstärkten Investitionen in Verteidigungs- und Sicherheitsprojekte. Länder konzentrieren sich auf robuste, sichere und langfristig vernetzte Systeme, die höchste Anforderungen an Zuverlässigkeit, Echtzeitfähigkeit und Verfügbarkeit erfüllen. Gefragt sind modulare Architekturen, offene Standards und robuste eingebettete Computersysteme, die hohe Rechenleistung mit Stabilität und Cybersicherheit vereinen. Hardware-Sicherheit, kontrollierte Lieferketten, lokale Fertigung und die Einhaltung internationaler Vorschriften gewinnen strategisch an Bedeutung.
Technologien, die sich in Branchen wie Fertigung, Bahn und Energie bewährt haben, werden zunehmend in sicherheitskritischen Umgebungen eingesetzt. Diese Systeme müssen auch unter extremen Bedingungen wie hohen Temperaturen, extremer Kälte, Vibrationen und Staub zuverlässig funktionieren und in komplexen Netzwerkstrukturen stabil zusammenarbeiten. Kontron verfügt über langjährige Erfahrung im Bereich eingebetteter Systeme, globale Entwicklungszentren, ein eng vernetztes Ingenieurteam und lokale Fertigungsstätten in strategisch wichtigen Regionen. Kontron gewährleistet die Einhaltung der ITAR-Richtlinien und stellt so sicher, dass sensible Technologien nur an autorisierte Partner geliefert werden.
Bürokratie im Wandel: Erste Anzeichen der Entspannung.
Trotz steigender regulatorischer und sicherheitspolitischer Anforderungen gibt es zumindest einen Hoffnungsschimmer: Selbst auf EU-Ebene wächst das Bewusstsein, dass übermäßige Bürokratie Innovation und Effizienz hemmen kann. Initiativen zur Vereinfachung von Berichtspflichten, zur Optimierung digitaler Compliance-Prozesse und zur Harmonisierung von Standards zeigen, dass wirtschaftliche Wettbewerbsfähigkeit und Regulierung nicht im Widerspruch zueinander stehen müssen. Für Unternehmen ist die Richtung klar: Wer Regulierung frühzeitig und strategisch integriert, kann Effizienz, Planbarkeit und Wettbewerbsvorteile erzielen.
Die Aussichten für
2026 sind nicht von Mäßigung geprägt, sondern von bewussten Entscheidungen. Cybersicherheit, KI, 5G und sichere eingebettete Systeme werden weiter zusammenwachsen. Resilienz wird zur neuen Währung: technologisch, wirtschaftlich und strategisch. Unternehmen, die heute in sichere, softwarebasierte und vernetzte Lösungen investieren, legen den Grundstein für nachhaltiges Wachstum in einem zunehmend komplexen Umfeld.
Interdisziplinäre Zusammenarbeit und die Integration von Sicherheit, Echtzeitfunktionen und KI in industrielle Plattformen werden darüber entscheiden, wer auch in Zukunft erfolgreich sein wird. Auch Kontron nimmt seine Verantwortung wahr und unterstützt seine Kunden bei der Entwicklung robuster, flexibler und zukunftssicherer Systeme.
Der Autor: Hannes Niederhauser, CEO der Kontron AG.
Hannes Niederhauser, Diplom-Elektroingenieur der Technischen Universität Graz, verfügt über langjährige Erfahrung in der Führung von Unternehmen der Mikrochip- und Embedded-Computing-Branche. Vor seinem Eintritt bei S&T war der gebürtige Österreicher von 1999 bis 2007 Mehrheitsaktionär und CEO der ehemaligen Kontron AG. Unter seiner Führung entwickelte sich Kontron zu einem weltweit führenden Anbieter von Embedded-Systemen. Er treibt weiterhin die Transformation von Kontron von einem IT-Dienstleistungsunternehmen zu einem führenden Anbieter von IoT-Lösungen voran.
