1. Vernetzung in hybriden Umgebungen: Für Endnutzer von Technologien – vom Verbraucher mit seinem Mobiltelefon bis zum Sicherheitspersonal in der Videoüberwachung – ist die technologische Architektur, die zur Bereitstellung von Diensten eingesetzt wird, unsichtbar geworden. Ob die Verarbeitung auf einem Endgerät, einem lokalen Server oder in einem entfernten Rechenzentrum stattfindet, spielt keine Rolle mehr: Alles ist einfach „vernetzt“.
Letztes Jahr sprachen wir über die zunehmende „horizontale“ Vernetzung, in der Cloud-, lokale Server- und Edge-Technologien immer stärker kombiniert und jeweils mit ihren Stärken in sogenannten Hybridlösungen eingesetzt werden. Daran hat sich nichts geändert, doch es ist nun deutlich geworden, dass die Architekturfrage für jeden Kunden individuell ist und sowohl interne Ressourcen und Richtlinien als auch externe Faktoren wie lokale und internationale Vorschriften berücksichtigen muss.

2. Cybersicherheit entsteht aus gesunder Skepsis. Skepsis gilt nicht immer als positive Eigenschaft, doch im Kontext der Cybersicherheit ist sie durchaus angebracht. Die Milliarden von Verbindungen zwischen Geräten, Netzwerken und Rechenzentren haben das Konzept der Absicherung eines Perimeters um eine Organisation nahezu überholt. Die ehemals bestehenden Mauern sind durchlässig geworden, und so hat sich ein neuer Sicherheitsansatz herausgebildet: Zero-Trust-Netzwerke. Die COVID-19-Pandemie hat hierbei ebenfalls eine Rolle gespielt, da flexibleres Arbeiten dazu geführt hat, dass mehr Geräte, die zuvor innerhalb der Unternehmensgrenzen genutzt wurden, nun über das öffentliche Internet ferngesteuert verbunden sind.
Wenn Zero-Trust-Netzwerke bedeuten, dass das Sicherheitsprofil jedes Geräts und jeder Anwendung, die sich mit einem Netzwerk verbindet, bei jeder Verbindung unabhängig geprüft wird, hat dies erhebliche Auswirkungen auf die Videoüberwachungsbranche. Signierte Firmware, regelmäßige Software-Updates, sicherer Systemstart, verschlüsselte Daten/Videos und sichere Identitäten werden zu Standardfunktionen in Kundenlösungen.

3. Alles authentifizieren: Während sich der Zero-Trust-Ansatz in der Cybersicherheit auf die Authentifizierung der Anmeldeinformationen vernetzter Geräte und Anwendungen konzentriert, ist die Authentizitätsprüfung von Videoüberwachungsmaterial selbst grundlegend für dessen Vertrauenswürdigkeit. Die Manipulation von Videos nach der Aufnahme, gepaart mit der zunehmenden Raffinesse bei der Erstellung manipulierter Bilder, führt dazu, dass die Authentizität von Videoüberwachungsaufnahmen häufiger infrage gestellt wird.
Daher ist es unerlässlich, dass Videoüberwachung zweifelsfrei als authentisch nachgewiesen werden kann. Unser Ansatz besteht darin, dem Videostream zum Zeitpunkt der Aufnahme eine digitale Signatur hinzuzufügen – einen Hashwert für jedes Videobild –, der den Nachweis erbringt, dass das Video mit einer bestimmten Kamera erstellt und seitdem nicht manipuliert wurde. Dies stellt jedoch die gesamte Sicherheitsbranche vor eine Herausforderung. Daher ist es unerlässlich, dass sich die Branche auf Initiativen zur Standardisierung von Verfahren zur Gewährleistung der Authentizität von Videoaufnahmen aus Überwachungskameras stützt, idealerweise basierend auf Open-Source-Initiativen und -Software.

4. Künstliche Intelligenz (KI) etabliert sich zunehmend und wird akzeptiert (bei angemessenen Kontrollmechanismen). Die Technologie selbst sollte nicht reguliert werden, wohl aber ihre Anwendungsfälle. Gesetze und Verordnungen zur Entwicklung und Nutzung KI-basierter Technologien und Anwendungen sollten auf lokaler, regionaler und internationaler Ebene erarbeitet werden. Selbstverständlich müssen alle Organisationen, die KI einsetzen, diese einhalten.
Wir sehen weiterhin großes Potenzial in künstlicher Intelligenz und Deep Learning für die Videoüberwachung und erwarten, dass Initiativen zur ethischen und unvoreingenommenen Anwendung von KI künftig noch stärker in den Fokus rücken werden. Diese positive Entwicklung wird mit der Integration von KI in alle Bereiche der Videoüberwachung weiter an Bedeutung gewinnen. Die weitere Integration von KI auf den grundlegendsten Ebenen der Technologie – dem System-on-a-Chip (SoC) – wird dazu führen, dass KI alle Aspekte der Videoüberwachungsleistung verbessert und optimiert, von der Kamerakonfiguration über die Bildqualität bis hin zur Bildanalyse.

5. COVID-19 als Katalysator: Die Pandemie hat die Entwicklung berührungsloser Technologien beschleunigt, von denen viele heute fest integriert sind. Auch der Einsatz intelligenter Videoüberwachung zur Einhaltung von Abstandsregeln und Hygienevorschriften ist mittlerweile Standard. Im Technologiesektor führte die Pandemie zudem zu Lieferkettenunterbrechungen, die viele Unternehmen dazu veranlassten, ihre Produktions- und Beschaffungsprozesse für wichtige Produktkomponenten zu überdenken.
Die Vernetzung aller Systeme hat zu einem weltweiten Halbleitermangel geführt, der in vielen Branchen – von der Unterhaltungselektronik bis zur Automobilindustrie – ein großes Problem darstellt. Dies wiederum hat dazu geführt, dass immer mehr Unternehmen öffentlich ihr Interesse an der Entwicklung eigener Halbleiter oder System-on-a-Chip-Lösungen bekunden.

6. 5G etabliert sich. Manche mögen denken, wir seien hinterherhinken, wenn wir 5G im Überwachungssektor als „Trend“ bezeichnen. Für uns wird eine neue Technologie jedoch erst dann zum Trend, wenn sich in der Sicherheits- und Überwachungsbranche sinnvolle Anwendungsfälle ergeben. Auch wenn wir noch nicht ganz am Anfang stehen, zeichnet sich dieser Trend bei 5G bereits ab.
Während sich die Begeisterung um 5G bisher vor allem auf die verbesserte Netzwerkleistung für Verbraucheranwendungen konzentriert hat, ist die Entwicklung privater 5G-Netzwerke zu einem besonders interessanten Anwendungsfall. Wir sind überzeugt, dass private 5G-Netzwerke echtes Potenzial für Videoüberwachungslösungen an großen oder mehreren Kundenstandorten bieten und insbesondere aus Cybersicherheitssicht Vorteile bringen können. Wenn Kunden private 5G-Netzwerke einrichten, muss die Videoüberwachung selbstverständlich nahtlos integriert werden.

Alle Trends unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit betrachtet.
Nachhaltigkeit darf nicht länger als Trend abgetan werden. Sie muss in all unsere Aktivitäten integriert werden: in die Entwicklung und Herstellung unserer Produkte, in unsere Unternehmensführung, in die Leistung unserer Lieferanten – alles ausgerichtet auf die Reduzierung unserer Umweltbelastung und ein ethisch und zuverlässig verantwortungsvolles Wirtschaften. Wann immer ein technologischer Trend eine Chance bietet, sollte auch geprüft werden, ob er nachhaltig entwickelt und auf den Markt gebracht werden kann.