Der Bericht bietet eine einzigartige Perspektive auf eine der größten Transformationen der Automobilbranche seit über einem Jahrhundert. Er beschreibt detailliert Herausforderungen und Chancen und schlägt ein Modell für die Zusammenarbeit von Automobilherstellern und Telekommunikationsanbietern an einem 10-Punkte-Aktionsplan vor.
Der Markt für vernetzte Fahrzeuge wird in den kommenden Jahren ein enormes Wachstum verzeichnen. Bis 2020 werden 90 % der Fahrzeuge mit Konnektivitätslösungen ausgestattet sein, verglichen mit derzeit 10 % auf dem Weltmarkt. Im Zuge dieses Wandels identifiziert der Bericht vier strategische Handlungsfelder: die Transformation des bestehenden Händlermodells, das Zahlungsmodell für diese neuen Dienste und Konnektivität, Bedenken hinsichtlich der Marktöffnung für Dritte und die Rolle der Mobilfunkbetreiber bei der Förderung dieses radikalen Branchenwandels.

Neudefinition eines jahrhundertealten Geschäftsmodells:
Angesichts der steigenden Nachfrage der Verbraucher nach vernetzten Fahrzeugen wird die Transformation eines seit über einem Jahrhundert nahezu unveränderten Geschäftsmodells immer wichtiger, so der Bericht. Produktlebenszyklen, Zahlungsmodelle und Kundenservice werden üblicherweise in Zeiträumen von mehreren Jahren gemessen. Nutzer vernetzter Fahrzeuge wünschen sich jedoch einen neuen, dynamischeren Service, der eher der Telekommunikationsbranche ähnelt, deren Zyklen in Monaten statt Jahren gemessen werden.
Servicepakete, Vertriebskanäle, Produktangebote, Preisgestaltung und Kundenservice werden sich dadurch erheblich verändern und in einigen Fällen völlig neue Geschäftsmodelle erfordern, die von Grund auf neu entwickelt werden müssen, da sich die Dynamik zwischen Hersteller, Händler und Kunde weiterentwickelt.
*Audi, BMW, GM, Jaguar, Land Rover, Kia, Nissan, Renault und Volvo


1. Dynamik am Point of Sale:
Traditionell benötigten Autohäuser durchschnittlich nur 20 Minuten für den Verkauf und die Auslieferung eines Fahrzeugs. Laut Bericht hat die Komplexität von Sonderausstattungen und Fahrzeugindividualisierungen die Verkaufszeit auf durchschnittlich anderthalb Stunden erhöht – eine Dauer, die mit dem wachsenden Angebot an Serviceleistungen weiter steigen wird. Dies wirkt sich auf die Kosten pro Fahrzeug für den Händler sowie auf die Art der für den Verkauf erforderlichen Verkaufs- und Technikschulungen aus.
Diese Faktoren können jedoch durch die Vorteile des Verkaufs vernetzter Fahrzeuge im Autohaus kompensiert werden. Zu diesen Vorteilen zählen die Möglichkeit, Kunden sowie Service- und Autohäuser automatisch über Leistungsprobleme oder Fehlfunktionen zu informieren, was eine proaktive und präventive regelmäßige Fahrzeugwartung und langfristige Wartungsverträge ermöglicht.
Der Bericht prognostiziert zudem eine neue Art der Beziehung zwischen Hersteller und Fahrzeughalter, sobald das Fahrzeug das Autohaus verlässt. App-Stores, Software-Updates und Lösungen für den Fahrzeuginnen- und -außenbereich bieten Autohäusern die Möglichkeit, direkt mit Fahrzeughaltern in Kontakt zu treten und engere und dauerhaftere Kundenbeziehungen aufzubauen.  
 
2. Wer trägt die Kosten?
Der Bericht befasst sich auch mit der Frage, wer die Kosten für Konnektivitätsdienste im Fahrzeug tragen wird. Während sich Verbraucher an einen einmaligen Kauf gewöhnt haben, ist den Herstellern klar geworden, dass der reine Autoverkauf nicht mehr rentabel ist.
Traditionelle Telematikdienste zeichneten sich bisher durch einen geringen Datenverbrauch aus. Zukünftige Konnektivitätsdienste im Fahrzeug werden den Datenverbrauch jedoch exponentiell steigern. Audi gab Anfang des Jahres bekannt, dass seine 50.000 Audi Connect®-Kunden seit dem Start im April 2011 mehr als 75 Terabyte an Daten verbraucht haben – das Vierfache des Datenvolumens der Library of Congress, einer der größten Bibliotheken der Welt.
Hersteller müssen daher attraktive Preismodelle finden, die die Flexibilität und den Mehrwert bieten, die Verbraucher von vergleichbaren Diensten erwarten. General Motors empfiehlt beispielsweise Mobilfunkanbietern, Fahrzeuge als zweites Gerät im Datentarif des Kunden mit einer niedrigen monatlichen Gebühr zu betrachten oder selbst ein Werbemodell einzuführen, um einen Teil der Konnektivitätskosten zu decken.  
Preisflexibilität hat für viele Automobilhersteller Priorität, damit die Tarife an die spezifischen Nutzungsarten der Konnektivitätsdienste im Fahrzeug angepasst werden können.

3. Zusammenarbeit ist der Schlüssel zum Erfolg.
Der Bericht hebt hervor, dass die Automobilindustrie Mobilfunkbetreiber als natürliche Partner betrachtet, nicht nur um Konnektivität zu ermöglichen, sondern auch um ihr Wissen und ihre Erfahrung bei der Stärkung der Beziehungen zu einem bestens vernetzten Verbraucher auszutauschen.

Eine engere Zusammenarbeit zwischen der Automobilindustrie und Mobilfunkbetreibern ist unerlässlich, um Wissen auszutauschen und neue, innovative Geschäftsmodelle zu entwickeln. Laut Bericht werden diese Betreiber nicht nur die wichtigsten Wegbereiter für die neuen Geschäftsmodelle sein, die für das Wachstum des vernetzten Fahrzeugsektors notwendig sind, sondern auch als Katalysator für diesen Wandel wirken.
Der Bericht hebt zudem mehrere Punkte hervor, die Hersteller von den Betreibern erwartet haben, wie beispielsweise Vereinbarungen, die globale Konnektivität, umfassende Dienstleistungen (einschließlich Software-Updates, Datenmanagement usw.) und Datentarife gewährleisten.

4. Vorsicht im Hinblick auf das App-Ökosystem:
Obwohl Apps voraussichtlich Teil des Ökosystems sein werden – Hersteller wie Renault haben eigene App-Stores eingeführt –, gehen die Hersteller aufgrund von Sicherheits- und Zuverlässigkeitsbedenken davon aus, dass das vernetzte Auto keine Open-Source-Entwicklungsumgebung für Apps wird.
Insgesamt schätzen die Automobilhersteller den potenziellen Markt für Apps für vernetzte Fahrzeuge deutlich kleiner ein als den für Smartphones.

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