Orange und MasMovil sind die zweit- bzw. viertgrößten Anbieter von Mobilfunk- und Festnetz-Breitbanddiensten in Spanien. Insgesamt gibt es in Spanien vier aktive Mobilfunknetzbetreiber: Telefónica, Vodafone, Orange und MasMovil. Darüber hinaus existieren zahlreiche virtuelle Mobilfunk- und Festnetzbetreiber (MVNOs), die die Infrastruktur der Netzbetreiber nutzen, um ihren Kunden Mobilfunk- und Festnetz-Telekommunikationsdienste anzubieten.

Vorläufige Bedenken der Kommission
Die Voruntersuchung deutet darauf hin, dass Orange und MasMovil enge Wettbewerber auf den spanischen Einzelhandelsmärkten für folgende Dienstleistungen sind: (i) mobile Telekommunikationsdienste; (ii) Festnetz-Breitbandzugangsdienste; und (iii) Kombiangebote, einschließlich Festnetz-Mobilfunk-Konvergenzdienste.

Die Kommission stellte insbesondere fest, dass

Die Übernahme würde die Anzahl der Netzbetreiber in Spanien verringern und einen bedeutenden und innovativen Wettbewerber ausschalten. Dies könnte zu höheren Preisen und einer geringeren Qualität der Telekommunikationsdienste für die Kunden führen.
Infolge der Transaktion hätten Orange und MasMovil die Möglichkeit und den Anreiz, den Zugang virtueller Betreiber zu Mobilfunk- und Festnetz-Großhandelsdiensten einzuschränken. Dies könnte die Wettbewerbsfähigkeit dieser Betreiber beeinträchtigen und somit zu höheren Preisen und einer geringeren Servicequalität für Endkunden in Spanien führen.

Die Kommission wird nun eine eingehende Untersuchung der Auswirkungen der geplanten Transaktion durchführen, um festzustellen, ob sich ihre anfänglichen wettbewerbsrechtlichen Bedenken bestätigen.

Die geplante Transaktion wurde der Kommission am 13. Februar 2023 gemeldet. Am 2. März 2023 beantragte die spanische Wettbewerbsbehörde die Vorlage des Falls gemäß Artikel 9 der EU-Fusionskontrollverordnung. Über diesen Antrag ist noch nicht entschieden.

Die Kommission hat nun 90 Arbeitstage, bis zum 21. August 2023, Zeit, eine Entscheidung zu treffen. Die Einleitung einer eingehenden Untersuchung lässt deren Ergebnis nicht vorweg.

Unternehmen und Produkte

Orange, mit Hauptsitz in Frankreich, ist ein global tätiger Telekommunikationsanbieter, der über seine Tochtergesellschaft OSP auf dem spanischen Telekommunikationsmarkt aktiv ist. OSP bietet Mobilfunk- und Festnetztelefonie für Privat-, Geschäfts- und Großhandelskunden in Spanien an. Das Unternehmen operiert unter den drei Marken Orange, Jazztel und Simyo.

Lorca, mit Hauptsitz in Großbritannien, ist eine Holdinggesellschaft, die MasMovil kontrolliert. MasMovil bietet Festnetz- und Mobilfunkdienste hauptsächlich für Privatkunden in Spanien an. Das Unternehmen operiert unter einer Vielzahl von Marken, darunter Yoigo, MásMóvil und Virgin, sowie der auf digitale Dienste spezialisierten Marke Pepephone, den regionalen Marken Euskaltel, R., Guuk, Embou und Telecable sowie den internationalen Kundenmarken Llamaya, Lebara und Lycamobile.

Fusionskontrolle und -verfahren

Die Kommission ist verpflichtet, Zusammenschlüsse und Übernahmen von Unternehmen mit einem Umsatz oberhalb bestimmter Schwellenwerte zu bewerten (siehe Artikel 1 der Fusionskontrollverordnung) und Zusammenschlüsse zu verhindern, die den wirksamen Wettbewerb im EWR oder einem wesentlichen Teil davon erheblich beeinträchtigen.

Die überwiegende Mehrheit der angemeldeten Zusammenschlüsse gibt keinen Anlass zu wettbewerbsrechtlichen Bedenken und wird nach einer routinemäßigen Prüfung genehmigt. Ab dem Zeitpunkt der Anmeldung eines Zusammenschlusses hat die Kommission in der Regel 25 Arbeitstage Zeit, um über die Genehmigung (Phase I) oder die Einleitung einer eingehenden Untersuchung (Phase II) zu entscheiden.

Im vorliegenden Fall wurde die Frist für Phase I jedoch auf Antrag der spanischen Wettbewerbsbehörde gemäß Artikel 9 der EU-Fusionskontrollverordnung um 10 Arbeitstage verlängert.